Der Papst in München – Rosbach war dabei!

Wir erlebten einige schöne Tage in „Deutschlands heimlicher Hauptstadt“: Christian Klein, Moüaid Polis, Hanna Schmidt, Antonia Böddeker, Anne Ottersbach, Marten Polis, Christian Steiner, Alexander Safaric, Susanna Mokroß, Martin Trojca, Michael Woopen Bernhard Woopen und Torben Ottersbach (v.l.n.r.)

Schon nach dem Weltjugendtag 2005 war bekannt geworden, dass der Papst im Herbst 2006 nach Deutschland kommen würde, um seine Heimat in Bayern zu besuchen. So wurde von der KJA im Herbst dieses Jahres eine Wallfahrt nach München angeboten, die Dank des geringen Kostenbeitrags vielen Jugendlichen aus unserem Bistum Köln die Möglichkeit bot, daran teilzunehmen. Am Ende waren es 350 Personen, die in sieben Bussen am zweiten September-Wochenende in Deutschlands heimliche Hauptstadt fuhren und dort eine Begegnung der besonderen Art hatten.

Am Freitag begann unser Abenteuer mit der Fahrt nach Köln, wo um 16.30 Uhr eine Vesper mit unserem Diözesanjugendseelsorger Mike Kolb und Kardinal Meisner in St. Andreas stattfand. Wie wir Rosbacher so sind, ließen wir uns diese Möglichkeit natürlich nicht nehmen und dienten als Vertretung für die Heimatgemeinde von Mike Kolb würdevoll mit. Es ist wirklich eine besondere Erfahrung, wichtige Personen wie unseren Erzbischof in der Messe zur Hand gehen zu dürfen und ihn schon beinahe privat in der Sakristei kennen zu lernen.
Gegen 17 Uhr begann der Teil der Reise, der uns allen schon Alpträume bereitet hatte: im engen Reisebus, der vom Kölner Pfarrer Michael Mohr geleitet wurde, fuhren wir los und quetschten uns sechs Stunden in den engen Sitzen. Doch zu unserem Glück hatten wir keinen Stau und kamen mit knapp 7 Stunden Reisezeit und einem Nachtgebet unter den ersten drei Bussen an. Doch Lust zu schlafen hatte nach unserer Ankunft keiner. So machten wir uns um halb eins auf in die Innenstadt, in der wir noch Alexander Safaric trafen, der zu dem Zeitpunkt auf Grund seiner Arbeit in München war und die Chance nutzte, um mit uns den Papst zu treffen. Zu dem Zeitpunkt war uns noch nicht bewusst gewesen, dass es in München eine Art Sperrstunde gibt: um halb eins werden in dieser sonst so schönen Stadt förmlich die Bürgersteige hochgeklappt und alle Restaurants, das Hofbräuhaus – unser eigentliches Ziel - und sämtliche Kneipen geschlossen. So kam es, dass wir bis etwa halb drei ziellos durch die Innenstadt liefen und die Stille und Leere genossen. Unter dem Sternenhimmel sehen die angestra hlten Gebäude wie das Rathaus oder der Dom noch einmal so schön aus. Jedenfalls endete unser Abend dann in einem kleinen italienischen Restaurant in einer Seitengasse, in dem uralte Musik gespielt wurde und das offensichtlich nur noch geöffnet hatte, um seine Stammgäste nicht vor die Tür setzen zu müssen. Bis vier Uhr saßen wir also dort in fröhlicher Runde zusammen und beendeten dann den Morgen mit einem Spaziergang zurück zum Hostel. Als wir am Rathaus vorbeikamen, saßen schon die ersten Pilger vor dem Rathaus, um bei der Ankunft des Papstes in der ersten Reihe dabei zu sein!

Samstag, der Tag, an dem der Papst anreisen und auf dem Marienplatz vor dem Rathaus zu sehen sein würde, begannen wir müde, aber gut gelaunt mit einer Fahrt in die KZ-Gedenkstätte Dachau. Bei strahlend schönem Wetter wirkte dieses ehemalige KZ beinahe noch greller und bedrückender, aufgrund der Museumsausstellung und dem Erhalt einiger Baracken wird einem schnell klar, was für furchtbare Dinge hier geschehen sind. Schon wenn man vor dem Eingang steht, kommt einem der Gedanke, dass man eigentlich gar nicht hineingehen will...
Um 12.00 Uhr wurde dann von Mike Kolb mit allen Teilnehmern der Wallfahrt eine Messe im angelegenen Kloster gehalten, bei der wir wieder mitdienten. Damit wurde die bewusst gewordene Ungerechtigkeit, die in Dachau so viele Menschen erfahren mussten, von uns vor Gott gebracht und der Besuch der Gedenkstätte würdevoll abgeschlossen.
Der anschließende Nachmittag stand dann allen zur freien Verfügung. An dieser Stelle trennte sich unsere sonst so verbündete Gruppe für einige Stunden. Ein Teil schaute sich einige weitere Sehenswürdigkeiten in München an, wie z.B. den Englischen Garten, der andere Teil stellte sich mitten in die Menge auf dem Marienplatz, um, wie so viele andere auch, den Papst zu begrüßen. Zwar standen wir, obwohl wir erst kurz zuvor kamen, relativ weit vorne, doch saß unser Papst Benedikt XVI genau auf der anderen Seite der Marienstatue. So mussten auf den Großleinwänden die Reden verfolgen, doch es war trotzdem etwas ganz besonderes, in mitten so vieler Leute zu stehen und zu wissen, dass der Papst unsere „Benedetto“-Zurufe hört! Gegen Abend sahen wir den Papst aber doch noch einmal von max. 2m Entfernung, als dieser auf den Weg in das erzbischöfliche Palais in seinem Papa-Mobil durch die Innenstadt fuhr. Da standen wir in der ersten Reihe und bekamen seinen Segen ab. Unsere Gruppe fand abends dann im Hofbräuhaus wieder zusammen, wo wir original-bayrische Spezialitäten wie Weißwürstchen und Brezen genossen.

Am nächsten Tag war das Frühstück für 4.30 Uhr angesetzt und so kam es, dass ein kleiner Teil von uns am Sonntagmorgen verschlief. Nach einigen Wirren beim Zusammenpacken der Taschen, ging es dann mit dem Bus auf das neue Messegelände von München, auf dem um 10.00 Uhr die Heilige Messe mit Papst Benedikt XVI stattfand. Zu so früher Stunde waren wir nicht die einzigen die froren, doch als dann die wärmenden Sonnenstrahlen den unter dem Zelt aufgebauten Altar beleuchteten, wurden unsere Füße und Herzen schnell wieder warm. Als der Papst auf das Feld fuhr, war die Begeisterung in unserer Gruppe groß, auch wenn viele der 250.000 Pilger auf dem Gelände nicht mitjubelten und stattdessen lieber Fotos von den verrückten Windeckern machten! Die Stimmung war dementsprechend nicht mit der des Weltjugendtags vergleichbar und kam auch nicht an die des Katholikentages ran, obwohl dort noch nicht mal der Papst dabei war! Trotz allem war es wieder eine schöne Messe, die dort abgehalten wurde. Nach diesem feierlichen Abschied von München strömte nicht nur unsere Wallfahrtsgruppe unverzüglich zu den Bussen - mit uns wollten alle auf dem kürzesten Weg das Gelände verlassen. Im Gewühle der Menge schafften wir es doch nach einer halben Stunde endlich zu unserem Bus, der dann auch ziemlich bald Richtung Heimat losfuhr. Auch auf der Rückfahrt hatten wir keine Probleme mit Stau oder dergleichen. Darum kamen wir auch pünktlich nach Zeitplan um 21.00 Uhr in Köln an, von wo aus wir dann mit der S-Bahn schnellstmöglich nach Hause ins schöne Windecker Ländchen fuhren.

Insgesamt war es wieder ein unglaubliches Erlebnis, den Papst mit eigenen Augen zu sehen. Es ist beeindruckend, welch große Ausstrahlung dieser Mensch hat und es ist schön, zu sehen, wie viele Menschen den Glauben mit uns teilen. Seinem Motto „Wer glaubt ist nie allein!“ ist diese Pilgerfahrt auf jeden Fall gerecht geworden und bereicherte alle Mitfahrer um eine schöne Glaubenserfahrung!

Susanna Mokroß
Ministrantin in Rosbach