Geschichte einer Landpfarrei und der Menschen, die ihr ein Gesicht gaben

Von der Missionskapelle zur Pfarrkirche

Der letzte katholische Pfarrer aus vorreformatorischer Zeit war Johannes vom Hofe, der aus dem Burghaus Hof stammte und dessen Unterschrift uns aus dem Jahre 1525 erhalten ist. Nach dem erfolgten Übertritt der Kirchengemeinde zum Protestantissmus unter Pfr. Johannes Mittler (1552-1614) blieben nur wenige Familien dem alten Glauben treu.
Weitere Akten aus dem evangelischen Kirchenarchiv gibt es dann erst wieder aus dem Jahre 1735, wo ein unverschämter Missionspater Fischer aus Leuscheid den sonntäglichen Gottesdienst und die Belehrung der Kinder unter freiem Himmel in unmittelbarer Nähe der Kirchenpforte abhält, was natürlich den energischen Widerspruch des damaligen Pfarrers herausfordert.
Um das Jahr 1740 wird ein Kirchenbau angeregt. Der Bauplatz war zuerst vorgesehen in der Nähe des damaligen Arresthauses, "da wo das Haus des Schlossers Barth steht", das leider jetzt abgerissene Benders Haus,
Ecke-Alte Dorfstraße-Kirchstraße. "Der Plan scheiterte an den Nachbarn", so vermerkt es der Chronist Ferdinand Voß. Tatsächlich aber wird es erst durch die sogenannte Rüttensche Stiftung möglich, eine Missionskapelle zu bauen.
Obwohl sich weder im Pfarrarchiv noch im Erzbischöflichen Diözesanarchiv Unterlagen über eine offizielle Einweihung der Kapelle befinden, geht aus einem Briefwechsel des amtierenden evangelischen Pfarrers mit der Jülich Bergischen Kanzlei eindeutig hervor, daß diese seit 1745 von den Katholiken genutzt wird. Erwähnt wird hier ausdrücklich eine feierliche Prozession am
Michaelstag (=29. September), wobei es sich durchaus um den Tag der Einweihung handeln könnte.
Im März 1763 erst zeichnet der Generalvikar von Franken-Sierstorff die offizielle Approbation (Anerkennung) "sub titulo Missionis catholica in Rosbach"
Dem 6. Missionspastor Adeneuer verdanken wir eine erste Inventurliste, in der er schreibt: "daß der Ort hinter dem Altar einer verwüsteten Scheune glich". Er ließ die Rückwand der Altarbilder mit Holz bekleiden, ein Eisen für die Kleidung des Priesters anbringen und den Tabernakel befestigen. Am 29.7.1805 wurde der kleine Friedhof an der Kirche eingeweiht.
Am 13.10.1805 bestimmt die Berg. Kanzlei, daß die sog. Berg. Missionen: Leuscheid, Rosbach, Waldbröl, Eckenhagen, Holpe und Denklingen ab sofort Pfarreyen genannt werde und die Missionare Pfarrer.
Am 28.9.1807 erhält der Landdechant Heinrich Josef Sauer aus Hennef die Vollmacht, 2 kleine Glocken zu benedizieren.
Am 27.8.1892 stellt der Kirchenvorstand einen Antrag an das Generalvikariat, die Vergrößerung der Kirche und des Pfarrhauses betreffend. Den Höchstbetrag , den die Gemeinde beisteuern kann, beziffert man mit 2000 Mark. Daß es sich bei diesen Anträgen aber schon um Neubaupläne handelt, beweist die Tatsache, daß man am 18.11. des selben Jahres einen handgezeichneten Plan des vorgesehenen Baugrundstücks nach Köln schickt. Es handelt sich hierbei um eine dem August Wirths gehörende Parzelle, deren Kaufpreis 1856 Mark beträgt.
Schon wenige Tage nach Vertragsabschluß am Sonntag, dem 17.10.1895 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung in Anwesenheit der ganzen Gemeinde und des Kölner Architekten Theodor Kremer, der auch mit der Bauleitung betraut war.
Am 17.10.1897 wurde dann in der neuen Kirche der erste Gottesdienst abgehalten.
Die für die Konsekration aber unerläßlichen Apostelleuchter wurden laut Quittung erst am 30.6.1898 geliefert. Wenige Tage später am 9. Juli 1898 wird die Kirche mitsamt dem Hauptaltar und Nebenaltar von Weihbischof Hermann Josef Schmitz eingesegnet. Leider fehlen sämtliche Weiheprotokolle, aber dem gewissenhaften Bericht über die Weihe des neuen Altares von 1959, den Pfr. Stiesch verfaßte, verdanken wir die Kenntnis, daß sich im Sepulcrum der Altarplatte von 1898 die Reliquien der Hl Bischöfe v. Köln Agilolfus und Evergislus befanden:
"denen der Konsekrator noch die heute üblichen Reliquien der Theb. Legion um St. Gereon und der Hl. Ursula und ihrer Jungfrauen hinzufügte".
Der Konsekrator von damals, Weihbischof hermann Josef Schmitz spendete am gleichen Tag die Firmung in der neuen Kirche. Daß dieser für die Pfarre so wichtige Tag ganz formlos und ohne Feierlichkeiten abgelaufen ist, ist wohl kaum anzunehmen, nur hat sich niemand gefunden, darüber zu berichten.

Unheil über Rosbach

Nachdem am Morgen des 2. Ferbruar 1945 noch ein gut besuchter
Mariä-Lichtmess-Gottesdienst gehalten worden war, fand gegen 11:30 Uhr ein konzentrierter Bombenangriff auf Rosbach statt. Mehrere Bomber überflogen zunächst Rosbach und viele dachten, sie laden ihre todbringende Last woanders ab.
Doch wenige Minuten später kehrten sie zurück und warfen ihre Bomben über dem Ortskern ab.
Das alte Dorf mit vielen schönen Fachwerkhäusern um den Kirchplatz der evangelischen Kirche, dem uralten Wieshof (heute Textilhaus Brück), dem Bürgerhaus, der Apotheke und dem Arzthaus hatte aufgehört zu bestehen.
62 Menschen konnten nicht mehr lebend aus den Trümmern geborgen werden. Eine Bombe ging vor unserer Kirche nieder und zertrümmerte das Dach, die Fenster und die Orgel. Das herunterstürzende Gewölbe zerschlug die meisten Kirchenbänke, lediglich der Chorraum mit dem Altar blieben erhalten.
Es drang darüber hinaus die große Feuchtigkeit in das Gewölbe ein, welches zusehens einzustürzen drohte.
Pfr. Anton Tannenbaum schilderte in der Chronik, daß die Ursache für den Angriff sicherlich in der Anwesenheit einer Menge von Fahrzeugen der Wehrmacht bzw. der SS zu suchen war. In Höhe des heutigen Bahnhofs befanden sich zudem noch eine Funk- und Flakstelle.
Auch unser Pfarrhaus wurde bei diesem Angriff stark mitgenommen, so daß der Pfarrer und Angehörige zeitweise liebevolle Aufnahme in der Bachmühle fanden.
Damit war das Drama  aber noch lange nicht zu Ende. Die Wehrmacht mußte sich mehr und mehr vor den vordringenden Amerikanern zurückziehen. Es kam zu Kämpfen an der Sieg und Rosbach lag zeitweise unter beiderseitigem Artilleriefeuer. Dabei erhielt unsere Kirche und das Pfarrhaus noch einige Treffer. 14 Tage mußte Pfr. A. Tannenbaum im Keller hausen. Wo sollte der Gottesdienst gehalten werden?
Als erster Notraum für den Gottesdienst wurde die Wirtschaft in der bachmühle eingerichtet. Der ev. und kath. Pfarrer baten darum, in der Kapelle der Heilstätte ihre Gottesdienste halten zu dürfen. So wurde die Kapelle von beiden Konfessionen sonntags genutzt.

Befreiung

Amerikanische Truppen standen am 6. April 1945 am Südufer an der Sieg.
"Die Stunde der Befreiung war gekommen. Ein allgemeines Aufatmen war festzustellen. Die Nazigrößen, auch aus unserem Dorf, waren geflohen. Eine später aufgefundene Liste zählte 90 namen von Personen auf, die nach dem trügerischen >Endsieg< beseitigt werden sollten. Darunter natürlich an erster Stelle die Pfarrer der beiden Konfessionen. Dieser Alptraum war nun zu Ende".

Neubeginn

Jetzt galt es daran zu denken, wieder einen Raum für den Pfarrgottesdienst zu schaffen, denn die Gemeinde lebt von der eucharistischen Zusammenkunft. Viele Gläubige hatten es durch zerstörte Wege und Brücken schwer, wieder zusammenzukommen. Aus diesem Grund war schon für eine Nachmittagsmesse eine Scheune in Mauel eingerichtet worden. man hatte sogar den kühnen Plan, die alte Kapelle am Berg (damals noch Stall und Abfallraum) wieder herzurichten.
Obwohl kein Baumaterial mehr vorhanden war, gelang es doch wieder ein schönes, ehrwürdiges (Not)Kirchlein herzurichten, so daß es am 24. Juni 1945 durch den Dechanten Menghius feierlich konsekriert werden konnte.
Im Advent des Jahres 1947 waren die Wideraufbauarbeiten an unserer
St. Joseph Kirche so weit fortgeschritten, daß die ersten Gottesdienste schon in der Kirche abgehalten werden konnten. Im Ausblick auf das Jahr 1948 plante die Gemeinde die Renovierung des Turmes, die Anschaffung einer Heizungsanlage und die Neubedachung der Kirche vorzunehmen.
Am 5. September 1948 wurde der neue Pfarrer, der bisherige
Kaplan Johannes Stiesch, aus St.Cäcilia in Düsseldorf-Benrath feierlich in unsere Pfarrkirche eingeführt.
Nun mußte das Pfarrhaus noch gründlich renoviert werden, denn nach dem Krieg waren viele Gebäude noch schwer beschädigt.
Am 15. März 1953 fand die liturgische Einweihung der neuen Orgel statt.
Am 6. September 1959 empfingen die Rosbacher Seine Exzellenz den
Hochwürdigen Herrn Weihbischof Ferche, der zusammen mit seinem Geheimsekretär Kpl. Krautscheid hier weilte, um die hohe Weihehandlung des Altares vorzunehmen.
Der neue Altar aus Ettlinger-Tuffstein, dessen Platte eine Dicke von 60 cm aufweist sowie eine Kantenlänge von 1,90 m und ein Gewicht von stattlichen 4,5 Tonnen, war schon hergerichtet, damit der Weihbischof die Altarweihe vornehmen konnte. Aus diesem Anlass wurden gleichzeitig im sog. Sepulcrum die Reliquien der hl. Märtyrerbischöfe von Köln Agilolfus und Evergislus, denen der Hochwürdigste Herr Konsekrator noch die heute üblichen Reliquien der Märtyrer aus der Thebäischen Legion (St.Gereon und Gefährten) und
der hl. Ursula von Köln (und ihrer Gefährtinnen) beifügte.
Zur Gesamtrenovierung wurden auch noch die Fenster und die Rosette hinten in der Kirche neu ausgestattet.
Leider ist auch der Bildersturm der 50er Jahre nicht an uns vorübergegangen.
Mit der Zeit verschwanden nach und nach wertvolle Bilder,
die durch den Krieg noch nicht zerstörten Fenster,
und die gotischen Hochältare.
In den Jahren 1966 bis 1971 wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten an unserer alten Kapelle (sie war mittlerweile fast verfallen) durchgeführt.
Die Kapelle, der auch ein Wohnhaus - das frühere Pfarrhaus angeschlossen ist, wurde zu einem historischen Kleinod in landschaftlich reizvoller Lage.
Noch heute wird unsere Kapelle zu besonderen Anlässen, wie Bußandachten, Maiandachten und Rosenkranzandachten genutzt. Weiter finden hier auch kleinere Konzerte statt.